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Pille und Thrombosen/Embolien
In der Nachrichtensendung 10vor10 vom 28. Mai 2009 wurde der tragische Fall der jungen Céline geschildert, welche kurz nach Einnahmebeginn der Pille Blutgerinnsel (Thrombosen) entwickelte, welche in die Lunge verschleppt wurden (Lungenembolie). Die Lungenembolie war derart massiv, dass sie zu einem Herzstillstand und zu bleibender Hirnschädigung infolge Sauerstoffmangel führte. Zwei Jahre später gelangt die Familie nun an die Öffentlichkeit. In der Sendung wurde der Eindruck erweckt, dass die von der jungen Frau verwendete, in der Schweiz meistverkaufte Pille Yasmin® grundsätzlich mehr Thrombosekomplikationen verursache als andere Pillen.
Fakten
- Die Pille ist ein sehr sicheres Verhütungsmittel mit wenig Komplikationen. Thrombosen können mit jeder Pille auftreten; sie sind selten und treffen meistens (nicht immer) Frauen mit zusätzlichen Risikofaktoren wie Rauchen, seltene Blutgerinnungsstörungen oder Bewegungsmangel (Gipsverband, längere Flugreisen).
- Gemäss der Schweizer Heilmittelbehörde Swissmedic hat Drospirenon (die Gelbkörperhormon-Komponente in Yasmin®) ein ähnliches Thromboserisiko wie andere Pillen (Pressemitteilung 22.10.2009). Yasmin® ist ein relativ neues Präparat, welches sich zur meistverkauften Pille in der Schweiz entwickelt hat, weshalb anteilsmässig auch mehr Komplikationsmeldungen eingehen.
- Wenn bei entsprechend veranlagten Frauen Thrombosen auftreten, so geschieht dies meistens relativ früh nach Einnahmebeginn - wer die Pille schon länger ohne Probleme einnimmt, hat aus heutiger Sicht wenig zu befürchten.
- Bei weitem nicht alle Thrombosen und Lungenembolien führen zu derart schweren Gesundheitsschädigungen wie bei Céline.
- Jede Frau muss das geringe Thromboserisiko der Pille gegen ihren Nutzen abwägen (sichere Verhütung, Kontrolle über Blutungen, weniger Menstruationsbeschwerden). Siehe auch unsere allgemeinen Informationen über die Pille.
- Professor Krähenbühl aus Basel äusserte in der Sendung, dass modernere Pillen wie Yasmin® dreimal mehr Thrombosekomplikationen verursachen, dafür aber weniger Gewichtszunahme bewirken. Aus meiner Sicht ist beides nicht erwiesen. Zu Thrombosen: ohne Pille ereignen sich ca. zwei Thrombosen pro 10'000 Frauen und Jahr, mit Pille doppelt bis dreimal so viel, wobei die allerneuste Generation mit Yasmin® eher etwas besser abschneidet als die Pillen der sog. dritten Generation. Zu Gewicht: junge Frauen nehmen gemäss einer Studie der Universität Zürich unabhängig vom verwendeten Verhütungsmittel im Durchschnitt um 0.3 kg pro Jahr zu.
- Dass der Fall von Céline erst jetzt in die Medien kommt und von einer E-mail-Kampagne begleitet wird, hängt meiner persönlichen Ansicht nach kaum mit dem Bedürfnis der Familie zusammen, die Öffentlichkeit zu warnen; vielmehr soll Druck für finanzielle Forderungen an die Herstellerfirma aufgebaut werden.
Anwenderinnen von Yasmin®, Yasminelle® und YAZ®: was tun?
- KEINE PANIK! Pille nicht überstürzt absetzen, keine unerwünschte Schwangerschaft riskieren.
- Wer Yasmin® oder ihre Schwesterpräparate schon längere Zeit ohne Probleme anwendet, hat aus heutiger Sicht keinen Grund, die Pille abzusetzen oder auf ein anderes Präparat zu wechseln.
- Ob die Produktefamilie Yasmin®, Yasminelle® und YAZ® mit dem Gelbkörperhormon Drospirenon zurückhaltender an junge Erstanwenderinnen verschrieben werden soll, ist heute offen. Wir werden uns laufend bei der Schweizer Heilmittelbehörde Swissmedic und bei der Herstellerfirma Bayer-Schering (welche grundsätzlich einen sehr guten Ruf hat) informieren.
Wir stehen unseren Patientinnen für weitere Informationen gerne zur Verfügung.
Dr. med. Michael Singer Frau Dr. med. Julia Nöll
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